Was Verschlüsselung mit Polyamorie zu tun hat

Hand auf’s Herz. Wir leben auf einer Insel der Glücksseeligkeit. Wir
dürfen einander lieben, zusammenwohnen, Sex haben, Kinder bekommen und
Hand in Hand in Hand knutschend durch die Fußgängerzone laufen. Wir
müssen unser Leben nicht verstecken – manchmal zwar vor den Eltern,
Nachbarn oder einem konfessionellen Arbeitgeber. Aber nicht vor dem Staat.

Bei allem was derzeit sonst schief läuft: Diese Freiheit ist
fantastisch, aber nicht selbstverständlich – Nicht an jedem Ort und
erst recht nicht in jedem Zeitalter.

Unsere Alltagserfahrung ist es zudem, daß wir uns in unseren privaten
Mails frei äussern können, nichts verbergen müssen. Es gibt kein
Tribunal, das uns für den Inhalt unserer Mails zur Rechenschaft zieht.
Warum also Verschlüsseln? Das ist doch nur etwas für Hacker und
Terroristen. – Wirklich?

Niemand interessiert sich erst einmal für unsere Mails, aber was, wenn
der der Inhalt für die falschen Leute an Bedeutung gewinnt?

Andere Länder, andere Sitten. Die USA denken lautstark darüber nach,
das Facebook-Passwort von Einreisenden zu erfragen.
Andere Länder machen das bereits vor und was mit Facebook geht,
funktioniert auch mit Mails.
Und das ist nur die sichtbare Spitze des Eisbergs.
Heimlich wird noch viel mehr spioniert.

Es gibt selbst unter den beliebten Urlaubsländern solche, in denen
Polyamorie als unzüchtig (oder schlimmer) gilt. Es kann ein
Sorgerechtsstreit sein oder die Unterstellung, daß das Opfer Mitschuld
an einem sexuellen Übergriff trägt – Wer seine polyamore Lebensweise
auf’s Brot geschmiert bekommt, hat dort schlechte Karten.

Auch wer bei uns den Mächtigen auf die Füße tritt kann nicht
auschließen, daß auch mal der Mailaccount gehackt wird und das Privatleben öffentlich ausgebreitet wird. Es muß nichts illegales
sein – aber ein nicht monogames Privatleben an die Öffentlichkeit zu
zerren kann schon genügen, um ein legitimes Anliegen vor dem
konservativen Teil der Bevölkerung zu diskreditieren und/oder einen
unbequemen Menschen aus dem Job zu werfen. (Siehe: Konfessionelle
Arbeitgeber – ich habe persönlich mit mehreren Menschen gesprochen,
die im Sektor Gesundheit/Bildung arbeiten. Für diese Menschen ist es ein ernsthaftes Problem, wenn der Arbeitgeber von ihrem Lebensstil erfährt).

Eure Mailanbieter bieten euch z.B. mit „E-mail made in Germany“ oder anderen Werbenamen eine verschlüsselte Übertragung von euch zum Server und zwischen den Servern untereinander an. Wer Zugriff auf den Server hat, hat trotzdem Zugriff auf eure Mails. Echte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sieht anders aus. Sie ist nur für die Augen von Absender und Emfänger.

Verschlüsselte Mails bieten keinen absolouten Schutz und sie sind auch
nur ein kleines Puzzlestück im großen Ganzen. Aber es reduziert die Anzahl der Nasen, die technisch in der Lage sind, eure Mails zu durchschnüffeln.
Und das schützt nicht nur euch, es schützt auch die Menschen, über die ihr
etwas schreibt.

Auf euren Handys geht Verschlüsselng z.B. mit den Android-Apps K9-Mail in Kombination mit Open Keychain.
Auf dem PC mit dem Mailprogramm Thunderbird und Enigmail.

Ich selbst verschlüssele seit einigen Jahren so. Die Erste Einrichtung
ist etwas umständlich. Deshalb möchte ich euch Unterstützung dabei
anbieten, eure Mails sicher zu verschlüsseln. Sprecht mich (PolyLX) einfach beim Stammtisch an.

Liebe Grüße
Alexander

P.S. Manche Menschen, mit denen ich gesprochen habe, haben Angst,
sich verdächtig zu machen, wenn sie Verschlüsselung benutzen. Gerade
wer schon befürchten muss, für eine völlig legale(!) Handlung verdächtigt zu
werden, hat mehr Grund denn je, die eigenen legalen Handlungen
privat zu halten. Je mehr Menschen mitmachen, desto alltäglicher wird es
und desto weniger ist Verschlüsselung nur etwas für Kriminelle.

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