Queer Attacke auf den Pop-Mainstream

Ein Spiegel-Online-Artikel hat mich auf diese Frau und ihre Band aufmerksam gemacht!

Nach der Band „Scissor Sisters“ (benannt nach der US-amerikanischen Bezeichnung für Tribadie) freue ich mich auf weiter erfolgreiche Band, deren Mitglieder alle mögliche sexuelle Orientierung aufweisen und jenseits der Heteronormativität leben. Dazu noch haben sie den Spieß umgedreht und die Öffentlichkeit „ausgenutzt“ um ihre Idee zu verbreiten. „RESPEKT!“

The Gossip

BETH DITTO UND GOSSIP

Sie ist lesbisch, fett und genau deshalb ein Star: Beth Ditto ist das neue It-Girl der Modepresse und macht barocke Körper wieder salonfähig. Aber wie ist eigentlich die Musik der Sängerin und ihrer Band Gossip? Exzellent und innovativ.

Spielend Klischees aufmischen

Es ist ein Spiel, sagt Beth Ditto anschließend, man kann sich nur entscheiden, ob man mitspielen möchte oder ob man es lieber bleiben lässt. Ditto, knapp 100 Kilo schwer, 1,55 Meter groß, offen lesbisch, die beste Freundin von Kate Moss und neuerdings Liebling der Boulevardpresse, hat sich dazu entschieden mitzuspielen.

Dass Ditto nicht nur eine dicke Lesbe mit einem gesunden Selbstbewusstsein ist, sondern auch eine der gewaltigsten Stimmen ihrer Generation, dass ihre Band Gossip heißt und dass diese Band demnächst ein formidables neues Album namens „Music For Men“ herausbringt – all das bleibt in diesem Medienspiel immer öfter auf der Strecke.

Die restlichen zwei Drittel der Band haben sich damit abgefunden. „Man kann die Medien nicht kontrollieren“, sagt Gitarrist/Bassist Brace Paine, das einzige heterosexuelle Mitglied von Gossip. Und die flächendeckend tätowierte Schlagzeugerin Hannah Billie ergänzt: „Wenn sich die Leute lieber auf diesen VIP-Dreck konzentrieren wollen, dann ist das deren Problem, nicht unseres.“

Breite Öffentlichkeit

Die überraschende Popularität nutzt sie, um ihre Anliegen in eine breitere Öffentlichkeit zu tragen. „Fat Pride“ und „Lesbian Pride“, weibliche Selbstbestimmung und Homo-Ehe, das alles macht sie durch ihre bloße Existenz zum Thema: „Ich habe das Gefühl, das was ich tue, hat eine positive Wirkung auf Mädchen, die sich zu dick finden oder sich für hässlich halten, weil ihnen ihr ganzes Leben gesagt worden ist, sie seien dick oder hässlich. Diesen Mädchen gebe ich Selbstvertrauen, und das ist nicht nur wichtig für ihre Sexualität, sondern für ihr ganzes Leben.“

Eine Haltung, die in Dittos Biografie begründet liegt. Die professionelle Außenseiterin wuchs auf im provinziellen, bigotten Arkansas, fühlte sich unverstanden, bis die Musik von Riot-Grrrl-Bands wie Bikini Kill oder Sleater-Kinney sie aus düsteren Gedanken rettete und der jugendlichen Beth Ditto die Selbstmordgedanken austrieb. „Heute“, sagt sie, „ist es meine Aufgabe, ein 14-jähriges Mädchen davon abzuhalten, sich von einer Brücke zu stürzen.“

„Vogue“ hat Ditto zum „neuen It-Girl“ ernannt und bereits plakativ gefragt: „Ist dick das neue chic?“ Doch dass ihre überraschende Prominenz bereits ein Umdenken eingeleitet habe, eine Abkehr von Fitnesswahn und Schlankheitsdiktat, das bezweifelt Ditto: „Wenn ich mich so umsehe in den Medien, dann habe ich immer noch das Gefühl, dass da ganz andere Trends propagiert werden, Trends wie die Trenndiät.“

Beth Ditto weiß sehr gut, dass der Mainstream sie momentan zwar feiert, aber noch lange nicht akzeptiert. Die Medien führen sie vor wie einen Freak, der sich ins Scheinwerferlicht verirrt hat. Dort darf sie ein paar Mal „Schlüpfer“ sagen, damit dem Fernsehzuschauer morgens das Frühstück aus dem Mund fällt. Es ist ein Spiel und Beth Ditto ist der Hofnarr, von dem sich die Öffentlichkeit kritisieren lässt, so lange die Quote stimmt.

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