Polygamie reloaded: „Knapp unterm Radar“

Die Taz hat jetzt auch was zum Thema „Polygamie“.

(Das Thema ist wohl wieder die Deutsche Presse geschwappt, nachdem in Italien von islamischer Seite durch Hamza Piccardo die Forderung aufkam, Polygamie zu legalisieren.)

„Knapp überm Boulevard“ Heißt die Kolumne.

„Knapp unterm Radar“ bleiben bei der Diskussion um (patriarchale) Polygamie allerdings einige wesentliche Aspekte der (egalitären) Polygamie und diese Kolumne ist leider auch keine Ausnahme. Es wurden darin einige Aussagen über Polygamie gemacht, die im Fogenden sogleich seziert werden sollen.

 

Polygamie sei weder partnerschaftlich, noch gleichberechtigt, noch treu.

Ich beginne mit der Treue: In polyamoren Kreisen gibt es den Begriff der „Polyfidelity“, also der sexuellen Treue innerhalb einer Gruppe, wie sie von einigen Menschen praktiziert wird. Zudem ist „Treue“ ein ganz allgemein belegter Begriff, die sexuelle Treue stellt hierin lediglich einen Sonderfall dar. Wäre sexuelle Treue immer noch eine Voraussetzung der Ehe, könnte gefühlt die Hälfte aller monogamen Ehen wieder schuldig geschieden werden.

Um weiter von Polyamorie auszugehen: Es gibt nicht „die Polyamorie“ als einen monolithischen Block, jedoch darin einen deutlichen Anteil von Menschen, die gleichberechtigte und partnerschaftliche Beziehungen führen. Innerhalb dieser Gruppe möchten bestimmt auch nicht alle Menschen polygam verheiratet sein. Würden jene, die es wollen, jedoch polygame Ehen führen (dürfen), würde sich die Pauschalkritik an Polygamie, wie sie in der Kolumne geäussert wird, als empirisch widerlegt erweisen.

 
Selbst wenn Polygamie konsensuell sei, garantiere sie nur die Souveränität des Mannes – nicht aber jene der Frauen.

Daß im Abrahamitisch geprägten Kulutrkreis so gut wie keine souveränen, polygam verheirateten Frauen existieren liegt nicht etwa daran, daß  Frauen zu Souveränität nicht im Stande wären oder von einer durchgängig patriarchalen Männerschaft daran gehindert würden, sondern hat schlicht die Ursache, daß es ihnen jahrtausendelang und bis zum heutigen Tag verboten wurde.
Frauen, die einvernehmliche Mehrfachbeziehungen führen tun das oft souverän und selbstbewusst. Warum sollte sie es in einer polygamen Ehe anders handhaben?

 
Polygamie könne nicht zum Bereich der Bürgerrechte gehören, denn sie sei von einem anderen Menschenbild bestimmt (Es wird auf das mutmaßliche Polygamie-Verständnis von Hamza Piccardo verwiesen)

Herr Piccardo hat nicht die Definitionshoheit über Polygamie und auch „der Islam“ (wenn es denn diesen einen, monolithischen Islam überhaupt gibt) hat Polygamie nicht erfunden. In der Kolumne wird aber dessen mutmaßliche Definition kritiklos übernommen und der gesamten Polygamie als solcher zum Vorwurf gemacht. Es gibt durchaus noch andere historische Formen der Polygamie, beispielsweise bei den Mosuo (https://en.wikipedia.org/wiki/Mosuo_women), ein matrilineares Volk in China, welches eine Form der Wanderehe praktiziert. Und selbst wenn einem die historischen Formen der Polygamie nicht gefallen: Unsere Kultur ist in der Lage, auch ohen historisches Vorbild eigene Formen zu finden, die einer liberalen und egalitären Grundhaltung entsprechen.

 

Polygamie würde eine religiöse Definition der Ehe in den sakulären Rechtsstaat einschreiben, sie baue die Neutralität des Staates zurück.

Nur, falls man religiöse Regeln als solche in den Rechtsstaat übernimmt. Bei der bisherigen monogamen, heterosexuellen Form der Ehe ist die christlich-religiöse Form (=nur ein Ehepartner anderen Geschlechts) identisch mit der staatlich anerkannten Form der Ehe. Da Staat und Kirche Jahrhundertelang eng miteinander verwoben waren, lässt sich ohne fundierten historischen Kenntnissen nicht mehr feststellen, wer von wem zuerst beeinflusst wurde – das Henne-Ei-Problem.

In einigen islamisch geprägten Ländern ist Polygamie nur den Männern erlaubt.
Einvernehmliche und egalitäre Polygamie, die Menschen jeden Geschlechts zusteht, wäre hingegen eine Stärkung des sakulären Staates. Wahrscheinlich würde eine legalisierte Polygamie zunächst sehr stark aus religiösen Motiven eingegangen, aber wenn religiöse Menschen ein sakuläres Recht freiwillig in Anspruch nehmen muss es deswegen nicht schlecht sein. Was freilich nicht entstehen darf, ist ein religiöses Ausnahmerecht auf Polygamie. Wenn schon – dann für alle und richtig! Auch der religiöse Patriarch hat es dann (zumindest in jeder juristischen Konsequenz) hinzunehmen, daß seine 18-Jährige Tochter z.B. zwei Männer heiratet – oder drei Frauen.

Wichtig ist die Einvernehmlichkeit aller(!) Beteiligten. Wenn Menschen – teilweise minderjährig – in die Ehe gezwungen oder von einer ersehnten Ehe durch Zwang abgehalten werden ist der Zwang das Problem, nicht die (monogame oder polygame) Ehe selbst.

 

Ein Essay zum Stand der Polygamie ist in diesem Blog schon vor einigen Tagen veröffentlicht worden. Zudem sei noch auf die Seite Polygamie-ist-gut-fuer-Sie.de verwiesen, auf der vielfältige Informationen zum Thema zusammengetragen sind.

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Stammtisch am Mittwoch, 24.08.2016 um 20:00 Uhr

Liebe Alle,

am Mittwoch um  20:00 Uhr treffen wir uns wieder im Café Grano am Kornmarkt zu unserem Stammtisch rund um die Themen Offene Beziehungen / Polyamorie / Beziehungsanarchie / etc. austauschen.

Wenn ihr zum erstem Mal zum Stammtisch kommen wollt und noch niemanden kennt, nehmt am besten zunächst Kontakt über das Kontaktformular auf, damit ihr uns nicht verpasst. Als Erkennungszeichen wird es wieder einen kleinen Tischaufsteller mit dem Polyamorie-Herzen geben (Ein Herz mit einer liegenden 8 darin)

Unser Doodle-Terminkalender kündigt bereits einige alte und auch neue Gäste an. Wenn ihr euer Erscheinen auch ankündindigen möchtet, tragt euch dort ein. Es ist kostenlos und ihr müsst dazu keine Mailadresse etc. angeben.

Das öffentliche Verteilen von Free Hugs / kostenlosen Umarmungen steht auch wieder auf dem Programm, ab 19:00 in Heidelberg an der gewohnten Stelle. Wenn ihr zum erstem mal mit umarmen möchtet, meldet euch vorher über das Kontaktformular, dann erfahrt ihr den genauen Ort.

Ich freue mich auf Euch.
PolyLX

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Essay: Zum Stand der Polygamie

Dieses Essay ging aus einem fast inhaltsgleichen Leserbrief hervor, den ich als Antwort auf einen Artikel in Fefes Blog verfasst habe. -PolyLX

Ich befasse mich seit ca. 10 Jahren mit nicht-monogamen Beziehungsformen
und habe festgestellt, daß einvernehmliche Polygamie weithin unter dem
Radar der Leute fliegt, oder lediglich als Modell mit einem Mann und
mehreren Frauen im Zusammenhang mit Mormonen oder Moslems bekannt ist.

Oft wird den beteiligten Frauen grundsätzlich unterstellt, die Mehrehe
nicht aus freien Stücken eingegangen zu sein. Politik und Medien
befeuern die gedankliche Verknüpfung von Polygamie und Unfreiwilligkeit
zusätzlich:

Wenn unser Justizminister Zwangs- und Kinderehen mit der
nicht-Anerkennung von Mehrfach-Ehen bekämpfen will und die die
Süddeutsche Zeitung wie hier „Polygamie“ in einem Atemzug mit absolout inakzeptablen Eheformen nennt, bleibt einem unreflektieren Leser nur eine einzige, undifferenzierte
Soße im Kopf hängen.

Im Alltag lässt sich das Gegenteil schlecht erfahen, da es wegen der
strafrechtlichen Schranken kaum Polygame Menschen gibt. Polyamore,
langfristige Mehrfachbeziehungen sind da schon etwas häufiger vertreten
– ohne daß das Modell „Mann mit mehreren Frauen“ dominiert.

Unsere Parteien spiegeln in diesem Zusammenhang den Kenntnisstand der
übrigen Bevölkerung recht gut wieder, entweder sie lehnen Polygamie
grundsätzlich ab, oder sie sprechen überwiegend von „Ehe für Alle“, meinen mit
„Alle“ jedoch ausschließlich monogame Hetero- und Homoehe, und lassen
damit Menschen übrig, die nicht zu „Alle“ gehören.

Mein eigener Versuch, das Thema den politischen Parteien auf ihren
Infoständen bei einem CSD nahezubringen, scheiterte kläglich. Die Leute
von der LSU (Lesben und Schwule in der Union) waren bestimmt nicht gegen
die Homoehe, aber als ich ihnen erklärte, daß eheliche Rechte wie das
Aussageverweigerungsrecht im Strafprozess oder Vorteile im Erbrecht in einer polygamen Ehe auch ganz nett wären, sahen sie mich an, als referiere ich über
Raketenwissenschaften. Am Stand von einer der Parteien, die sich auch
unter ihrem richtigen Namen zum CSD trauten, bekam ich mit dem Verweis
auf die Forderung der Mehrfach-Elternschaft einen Flyer in die Hand
gedrückt. Nun lassen sich Äpfel nciht mit Birnen vergleichen – mehrfache Elternschaft ist eine Rechtsstellung im Bezug auf ein Kind. Ehe eine Rechtsstellung im Bezug auf einen Partner.

Fefe fragte in seinem Blog explizit, ob es inhaltliche Argumente gegen
einvernehmliche Polygamie gibt. Leider ja – und sie haben ausserhalb von
„abendländischen Traditionen“ viel mit Wirtschafts- und Sozialpolitik zu
tun.

Unsere Ehegesetze sind zur Zeit des Ernährer-Modells entstanden: Der
Mann verdient das Geld, die Frau bleibt daheim und zieht die Kinder
groß. Dazu kommt der Vorteil, daß die Armen und Kranken dem Staat
weniger auf der Tasche liegen. Auch wenn ein Ehepartner nie einen Cent
der Arbeitslosen- und Pflegeversicherungsbeiträge gesehen hat, ist er
dennoch dafür verantwortlich, den anderen Partner zu versorgen. Selbst
nach der Ehe durch Unterhalt.
Für den Staat ist das vorteilhaft. So vorteilhaft, daß er
Sozialleistungen spart, in dem er die „Bedarfsgemeinschaften“ sogar auf
zusammenwohnende Menschen ausdehnt, die nicht beweisen können, daß sie
in KEINER eheähnlichen Gemeinschaft leben.

Der nächste Punkt ist die Mitversicherung von Familienmitgliedern über
die Krankenkasse. Wenn Polygamie „richtig“ legalisiert wird, gibt es
keinen Grund, eine zahlenmäßige Obergrenze der Ehepartner festzulegen.
Man stelle sich vor, 500 Studenten heiraten eine einzige berufstätige
Person und haben 500x ihren Krankenkassenbeitrag gespart. Und bei der
Erbschaftssteuer könnte es ebenso Mindereinnahmen geben. Nicht nur monogame Menschen heiraten aus steuerlichen Gründen.

Die freie Entfaltung der Persönlichkeit sowie den Schutz von Ehe und
Familie haben Verfassungsrang. Das sehe ich als völlig kompatibel mit
Polygamie – Schließlich nennt das Grundgesetz keine Obergrenze.

Wer Polygamie legalisieren will, hat mehr zu tun, als lediglich §172 aus dem
Strafgesetzbuch zu streichen und ein paar Formulierungen im BGB zu ändern. Das
gesamte Steuer- und Sozialsystem müsste so umgebaut werden, daß es keine
Gruppe unangemessen bevorzugt oder benachteiligt. Wenn sich unsere
Politiker diese Gesetze nicht von fremdfinanzierten Lobbyisten diktieren
lassen wollen, haben sie einen haufen Arbeit vor sich. Dazu den
Widerstand von den bisher Priviligierten.

Solange es in der Bevölkerung keine kritische Masse gibt, die mit Nachdruck eine Veränderung fordert, wird sich an dieser Front leider nichts tun. Und selbst bei der
gleichgeschlechtlichen Ehe, bei der es den Nachdruck schon gibt, eiern unsere Regierungen seit Jahrzehnten herum.

Zur  Thema Polygamie gibt es den Blog polygamie-ist-gut-für-sie.de von Viktor Leberecht, der überwiegend Links zum Thema sammelt und kommentiert.

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Grünstadt: Poly-Stammtisch und Poly-Wochenende!

Achtung –  bei unseren Freunden in GRÜNSTADT (Pfalz) gibt’s Neuigkeiten:

Der nächste Grünstadter Stammtisch findet am Mittwoch 6.7.2016 um 19 Uhr in der Parkschenke am Stadtpark Grünstadt statt.

smiley_mit_schmetterling

Für das Wochenend-Seminar gibt es einen sehr kleinen Flyer: polyRAUM-Flyer

Auf hellbeigem dickem Papier (160 g) doppelseitig ausdrucken, in vier Teile schneiden, falten – fertig!

Das nächste private polyRAUM-Samstags-Seminar findet am SA 18.6.2016 von 10:45 Uhr bis ca. 21 Uhr in Grünstadt (Nähe Schwimmbad) statt. Anmeldungen: über den Grünstadter Blog. Meist sind wir 6-12 Leute. Diesmal haben wir einen Rasen zum uns sonnen zur Verfügung.

Traumdohle wird uns auf seiner GITARRE ein traumhaft schönes KONZERT darbieten. Wer ihn kennt, weiß, was für eine Qualität sein klassisches Spiel hat.

Ab August 2016 werden wir uns nicht nur für einen Samstag treffen, sondern pro Monat ein ganzes Wochenende mit einander verbringen – im Odenwald, Nähe Heppenheim.

Es grüßt Euch die Polybi und freut sich auf Euch!

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Essay: Problematischer Treuebegriff

Auf unserem November-Stammtisch erwähnte E., einer der anwesenden Gäste, daß er ein kleines Essay zu der (insbesondere sprachlichen) Problematik des Treuebegriffs geschrieben habe. Mit freundlicher Genehmigung von E. steht euch das Essay nun zum Lesen bereit:
(Klicken zum Weiterlesen)

Weiterlesen

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Download: Polyamorie zum Einnehmen

Zur besseren Übersicht gibt es die Downloads für das Poly-Medikament jetzt separat.
Der Originalartikel liegt hier: Endlich da: Polyamorie zum einnehmen

Poly Medikament Bastelvorlage 2015-06-09
Medikament Bastelvorlage PDF oder PNG

Poly Beipackzettel S1 2015-06-09       Poly Beipackzettel S2 2015-06-09

Medikament Beipackzettel PDF oder PNG 1 + PNG 2

Bitte beim Verlinken und bei der Quellenangabe auf diesen Blogpost verweisen (nicht direkt auf die Vorlagen). Das Projekt befindet sich in Entwicklung und es sollen noch Ergänzungen (z.B. eine englische Übersetzung) hinzukommen.

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Schön war’s, unser Grillpicknick

Schön war’s, unser Grilltreffen am 9. Mai. kaum waren wir da, kam auch schon die Sonne raus und wechselte sich den Tag über mit ein paar weißen Wolken ab.

Wiese

Für die Statistiker:
-Unser Grilltreffen dauerte 6 Stunden
-Diesmal waren sogar zwei Grills am Start.
-Wir waren insgesamt 18 Menschen (neuer Rekord), davon 13 gleichzeitig da.
-Es wurden 6 Apfelpfannkuchen, 3 Bananenpfannkuchen und 2 Blanko-Pfannkuchen vollständig verputzt.
-Die weiteste Anreise ging über ca. 550 km.

Wenn ihr Anwesenden nach dem Grilltreffen untereinander in Kontakt bleiben möchtet, schreibt einfach eine E-Mail an  polylx (ätt) arcor.de
mit eurem Namen und dem Hinweis, ob eure Mailadresse an die anderen Anwesenden weitergegeben werden darf.
Wenn ihr keine Grilltreffen mehr verpassen möchtet, könnt ihr diesen Blog im Menü auf der Rechten Seite mit dem Knopf „Ja, her damit“ abonnieren.

Danke an alle Anwesenden, dass ihr dieses tolle Treffen möglich gemacht habt!

LG
PolyLX

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